Zukunft des bibliothekarischen Berufsstandes: Weckruf zur Modernisierung

Der größte Teil der Bibliotheksbeschäftigten ist ausgebildet in einer Zeit, in der bestenfalls Lochkarten im Einsatz waren. Von Online-Diensten, Selbstverbuchung, sozialen Netzwerken, Smartphones und iPads keine Spur.

Und so werden sie auch bezahlt. Das ist ein nicht hinzunehmender Skandal: Die Eingruppierungsrichtlinien definieren die Entlohnung nach der Anzahl der Medien (un damit sind die physischen Bücher gemeint – nicht die Online-Zugänge zu Informationsquellen). Wen wundert es da, dass Beschäftigte kein Interesse daran haben können, Bücher zugunsten von Online-Medien abzuschaffen? Da werden trotz neuem Tarifvertrag die Tätigkeitsmerkmale der Sechzigerjahre fortgeschrieben – sehenden Auges über diesen modernitätsverachtenden Blödsinn. Wer die Modernisierung nicht sehen will, muss dann auch nicht Aufstieg und Höhergruppierung regeln. Folglich heißt es: „Lebenslänglich E 9″.

Wer soll unter diesen Bedingungen engagierte, neugierige und innovative Mitarbeiter/innen für diesen Berufsstand gewinnen? Oder die Besten halten und bis zur Rente engagiert motivieren? Oder sogar das Personal dem demografischen Wandel und den mordernen Aufgaben endlich anpassen? Beschäftigte mit Migrationshintergrund gewinnen?

Keine Chance!

Der Berufsstand muss sich schleunigst um diese Perspektiven moderner Tätigkeitsmerkmale und gerechter Bezahlung kümmern. Dass das mit der Gewerkschaft verdi nicht geht, ist spätestens seit den letzten Tarifverhandlungen klar. Dann bleibt auch hier nur der Wandel. Dazu gibt es zwei Möglichkeiten:
1. Der Berufsverband wird selbst tariffähig oder
2. Der Berufsstand schließt sich einer anderen gewerkschaftlichen Interessenvertretun gan, die sich um die Belange des Bibliothekswesen auch kümmert. […]

Gelingt diese Modernisierung der Strukturen und Vergütungen nicht, wird das Bibliothekswesen gnadenlos vom demografischen Wandel abgehängt. Wer kann das akzeptieren?“ (Motzko 2012, S. 762)

Quelle: Motzko, Meinhard: Demografischer Wandel : wen interessiert das eigentlich? Alle wichtigen Informationen liegen offen: jetzt gilt es, sie zu nutzen ; ein Weckruf. In: BuB 64 (2012) 11-12, S. 762-763.

Weitere Informationen (Quelle: BIB-Berlin-News, 16.11.2012):

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